Anfrage – Jedem Kind sein Seepferdchen „Schwimmen ist lebenswichtig“

 

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat sich der Anteil der Nichtschwimmer in unserem Land in den letzten Jahren signifikant erhöht. Hierzu hatte die DLRG mehrere repräsentative Umfragen durchführen lassen. Laut dem Ergebnis einer Umfrage der forsa aus dem Jahr 2017 sind 59 Prozent der Kinder im Grundschulalter und jeder zweite Erwachsene nach eigenen Angaben Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer. Gleichzeitig ertranken in den vergangenen beiden Jahren wieder deutlich mehr Menschen – bundesweit sind in diesem Jahr bereits etwa 300 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Hier lässt sich eine deutliche Korrelation zu der anhaltenden Hitzeperiode feststellen. 

In den Grundschulen, die hauptsächlich für die Schwimmausbildung der Kinder zuständig sind, steht das Schwimmen nur noch selten auf dem Stundenplan. Nach Angaben des stellvertretenden NRW-Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft GEW, Sebastian Krebs, trägt der Mangel an qualifizierten Grundschullehrern mit Rettungsschwimmprüfung zu dem hohen Anteil an Nichtschwimmern bei.  Im Rahmen der forsa-Umfrage konnte darüber hinaus festgestellt werden, dass rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Schwimmbad haben. Zusätzlich sind die Klassenverbände in den Grundschulen in der Regel zu groß und die Lehrkräfte für den Schwimmunterricht nicht umfassend genug ausgebildet, um bei allen Kindern das Erlernen des Schwimmens sicherzustellen.

 

Die DLRG in Kooperation mit den Wanner Mondrittern ist in dieser Thematik bereits sehr engagiert und versucht, gemäß ihrem Motto „Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer“, möglichst viele Kinder an das Schwimmen heranzuführen – mit großem Erfolg: Dank des Engagements konnten mittlerweile weit über 1000 Kinder ihr Seepferdchen erhalten.

 

Aus Sicht der SPD-Fraktion muss die Anzahl der Nichtschwimmer in unserer Stadt darüber hinaus weiter reduziert werden.

 

In anderen Bereichen ist es bereits heute möglich, Lehrpersonal zu entlasten und bestimmte Unterrichtseinheiten durch „Externe“ durchführen zu lassen. Beispielhaft erwähnt sei hier das erfolgreiche Projekt „JeKits“. Im Rahmen des kulturellen Bildungsprogramm „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ wird in Grund- und Förderschulen des Landes Nordrhein-Westfalen eine Kooperation von außerschulischen Bildungspartnern wie z. B. Musikschulen oder Tanzinstitutionen und den Schulen durchgeführt. Hierbei erfolgt der Unterrichtet im sogenannten „Tandem“: Die Lehrkraft des außerschulischen Kooperationspartners gestaltet die Stunde gemeinsam mit der Grundschullehrkraft. Der Unterricht findet im Klassenverband statt und umfasst eine Schulstunde innerhalb der Stundentafel. Der Unterricht ist verpflichtend und kostenfrei.

 

Ziel der SPD-Fraktion ist die Realisierung eines vergleichbaren Projektes, mit dem Ziel Schülerinnen und Schülern im Grundschulalter, aber auch älteren Kindern, das Schwimmen beizubringen. Durchgeführt werden soll das Projekt von Fachangestellten für Bäderbetriebe mit langjähriger Lehrerfahrung im Bereich der Wassergewöhnung und der Vermittlung von Sicherheit im Wasser. Diese bringen die notwendige Erfahrung im Umgang mit Schwimmanfängern mit, sie leiten in ihrem beruflichen Alltag Schwimmkurse und nehmen entsprechende Prüfungen ab. Durch eine Kooperation mit externen Fachkräften erfolgt gleichzeitig eine Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen, die in der Regel nicht speziell für die Anleitung von Schwimmkursen ausgebildet sind. Der Schwimmunterricht erfolgt hierbei im Rahmen des regulären Schulbetriebes bzw. im Ganztagesbereich. Neben den noch zur Verfügung stehenden Lehrschwimmbecken sollen auch die öffentlichen Bäder im Stadtgebiet stärker in diesen Prozess eingebunden werden.

 

Aus Sicht der SPD-Fraktion wäre vorab eine zweijährige Erprobung dieses Projektes sinnvoll, hierzu sollten zunächst diejenigen Schulen im Stadtgebiet ins Auge gefasst werden, in denen der aktuelle Lehrermangel besonders akut ist und in denen besonders viele Kinder Nichtschwimmer sind.

 

Vor diesem Hintergrund bittet die SPD-Fraktion um die Beantwortung der folgenden Fragen:

 

1. Ist die Realisierung eines solchen Projektes aus Sicht der Verwaltung grundsätzlich möglich?
2. Ist die Anzahl der bestehenden Lehrschwimmbecken unter Hinzuziehung der öffentlichen Bäder im Stadtgebiet ausreichend, um ein solches Projekt umzusetzen?
3. Welche weiteren Voraussetzungen müssten hierfür geschaffen werden?
4. Wie groß ist der Nichtschwimmeranteil unter den Schülerinnen und Schülern an Herner Grund- und Förderschulen insgesamt?
4.1 Wie groß ist der Nichtschwimmeranteil unter den Schülerinnen und Schülern an den weiterführenden Schulen zum Ende der 6. Jahrgangsstufe?
5. Lässt sich der Nichtschwimmeranteil an allen Schulen im Stadtgebiet statistisch darstellen?
5.1 Gibt es Schulen im Stadtgebiet, an denen der Anteil der Nichtschwimmer    überproportional größer ist?
6. Welche weiteren Möglichkeiten bzw. Alternativen zum Vorschlag der SPD-Ratsfraktion sieht die Verwaltung, um die Anzahl der Nichtschwimmer in unserer Stadt weiter zu reduzieren?